Tag 36 der Ausgangssperre

Vielleicht kennt ihr das auch. Wenn man nicht rauskann wie man will, dann entsteht ein unbändiges Bedürfnis nach draußen zu gehen. Wenn Irene in normalen Zeiten tagtäglich an unserem Haus vorbei joggt, bekomme ich manchmal ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich so unsportlich bin. Sogar im Confinement joggt sie-  im Umkreis von 1km für ca. eine Stunde täglich. Immer die gleiche Runde um den Block. Irene ist 42 Jahre alt. Sie wohnt nicht in unserer direkten Nachbarschaft, aber in unmittelbarer Nähe. Unterhalb unserer Straße beginnt das Biberviertel, das Quartier Castor. Da wurden in den fünfziger und sechziger Jahren kleine Reihenhaussiedlungen in den Hang gebaut. Kleiner Garten, und meistens auch eine kleine Garage, in die wahrscheinlich immer nur ein kleiner Peugeot 504 passen sollte. Vor ein paar Jahren, ich war gerade mit unseren alten Rüden Rocky unterwegs, stolperte ich vor so einem süßen kleinen Haus und schürfte mir das Knie auf. Irene sah das von drinnen, kam sofort zu mir heraus und sah sich das ganze Malheur an. Sie half mir wieder auf die Beine. Seitdem kennen wir uns. Sie arbeitet als Krankenschwester im saargemünder Krankenhaus. Während diesen Corona Zeiten zählt ihr Beruf also zu den systemrelevanten Berufen. Ich finde den Ausdruck sehr technisch, man könnte auch sagen, sie gehört zu denen, die den Kranken hilft zu gesunde, ihnen hilft weiter zu leben und die Hinterbliebenen in den Arm nimmt. Sie ist also für viele Menschen lebensnotwendig. Wenn ich sie so ansehe- immer mit einem Lächeln im Gesicht- erinnert sich mich an jemanden, dem ich vor ein paar Jahren- als wir noch in Deutschland wohnten-  begegnet bin:

Viele von uns kennen die Geschichte vom hässlichen Entlein das zum schönen Schwan wird. Oft verhält es sich ähnlich mit Schülern die mit schlechten Noten zu mir kommen, dann doch ihren eigenen Weg finden und Erfolg haben. Die Noten sagen eben nichts darüber aus, welche „Art Mensch“ man ist. Eine der überraschendsten Entwicklungen machte eine junge Dame durch, die vor circa 16 Jahren das erste Mal mit mir lernte. Sie hatte wirklich keine Lust auf Schule- Mathe war ihr ein Graus. Wir haben viel miteinander gelernt, sie fasste immer mehr Mut und schaffte letzthin auch ihren Realschulabschluss. Danach ergriff sie den Beruf ihrer Träume. Sie wurde Krankenschwester. Ich bin über Facebook immer noch mit ihr verknüpft und bewundere sie für ihren Durchhaltewillen, den sie nicht nur bei ihren sportlichen Aktivitäten, bei ihren Gewichthebe-Aktionen oder anderen CrossFit Meisterleistungen zeigt. Am meisten bewundere ich Anna für Ihr Engagement in ihrem Beruf. Sie ist mittlerweile IntensivKrankenschwester in meinem Geburtskrankenhaus und leistet gerade jetzt unglaubliche Arbeit. Vielen Dank Anna!

Bleibt gesund da draußen! Reste en bonne sante!

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