Der französische Muttertag

Nach fast einem Jahr Pause, wird es mal wieder Zeit euch eine Geschichte vom Blauberg zu erzählen. Wir alle kennen die Gedenktage des Jahres- Vatertag, den ihr am Donnerstag sicher in der schönsten Frühsommersonne begangen habt und den Muttertag, den ihr Deutschen da drüben schon vor zwei Wochen feiern konntet. Bei uns hier in Frankreich liegen die Festtage etwas anders. Da gibt es einen Fêtes des Pères (Vatertag), die Fete des Grands-Mères (Oma-Tag) und die Fete de Mère – Muttertag, der findet nach dem französischen Kalender heute statt. Bereits am Dienstag sah man die Mütter ihre Kinder von der Schule abholen und jede bekam schon vor dem langen Wochenende, das begann für die frz. Schüler schon am Mittwoch, ein kleines in der Schule gebasteltes Geschenk.
Meine Nachbarin Julie war schon seit ein paar Tagen aufgeregt und gespannt, was ihre beiden Söhne Loic und Theo wohl gebastelt haben werden. Heute Morgen stand es dann auf dem Tisch: eine gebastelte Drahtskulptur, die so lustig aussieht, dass sie alle Sorgen des Jahres, Covid, Long-Covid oder die Affenpocken für einen Moment vergessen lässt. Als Theo die Figur sah, wurde er wütend auf seinen Bruder: „Du hast vergessen die Figur lachen zu machen! Oh Mann Loic!“ „Mama weiß dass der lacht- désolé Theo, ich hab’s vergessen!“ Der kleine Theo hatte Tränen in den Augen und krabbelte auf Erics Schoß. Der griff in die Bastelschublade und nahm die Buntstifte heraus, die Julie immer die Notfallbuntstifte nennt. Für den Fall, dass Theo mal schlecht drauf ist und er dringend ein Bild zum „besser fühlen“ malen muss. Jetzt war so ein Notfall. Und während Julie den Kaffee aufgoss, malten ihr großer und ihre beiden kleinen Jungen das größte Grinsen in das Gesicht der Puppe, das Sarreguemines heute sehen wird. Wenn ich hinüber schaue sehe ich die vier gemeinsam auf der Terrasse sitzen und Kaffee trinken. In der Mitte des Tisches steht die Puppe und lacht zu mir herüber.
Für einen Moment wirft es mich zurück. Ich denke an meine Mutter, die 1978 gestorben ist. Ich denke an ihr Grab und dass ich muttertags oft dort war bis es nicht mehr da war. Einen Moment bin ich traurig und dann fällt mir ein, dass ich ihr zum Gedenken in Norwegen einen Stein niedergelegt habe, 2016, ganz im Norden, kurz vorm Nordkapp. Ich weiß nicht, ob die Wellen des Nordmeeres geschafft haben, ihn weg zu spülen. Ich denke an das Nordlicht, das über ihm tanzt und Mama für einen kurzen Moment in wunderbarem Glanz strahlen lässt. Ich denke an die Menschen in deren Erinnerung sie nach all den Jahren immer noch lebt und wenn ich tief in mein Herz schaue, dann weiß ich, dass sie heute bei mir ist, 44 Jahre später, am frz. Muttertag. Bisous und Grüße aus Sarreguemines an euch alle da draußen. Genießt den Tag!

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