16.10. 20 Vlog/ Videotagebuch

Ihr habt es euch wahrscheinlich schon gedacht: Die Zaungeschichten gehen in Anbetracht der CoronaLage im GrandEst weiter. Ich werde zusätzlich zu den Geschichten einen Videoblog führen und ich hoffe, euch gefällt das. Der Wind wehte leider stark und die Sonne war auch nicht spendabel während der Aufnahme heute Morgen- passt aber irgendwie zur Stimmung, in der wir uns gerade befinden. Ein neues Mikro ist schon geordert. Die Videos findet ihr auf www.zaungeschichten.com und dem neuen Videokanal auf Youtube https://youtu.be/rlkCod5wcW0 . 🙂 Bleibt gesund!

Zaungeschichten.com im TV

Liebe Leser meiner Blogs, die Zaungeschichten sind wieder da. Der saarländische Rundfunk ist auf meinen Blog aufmerksam geworden und hat für seine Zuschauer und euch, meine lieben Leser, einen Bericht über die realen Zaungeschichten gedreht. Zu sehen am Montag, 18.50 Uhr im dritten Programm des Saarländischen Rundfunks. Ich werde am Montagabend den Bericht hier und auf www.zaungeschichten.com verlinken und dann seht ihr unsere Straße, meinen lieben Nachbarn und natürlich Sascha und mich. Viel Spaß dabei! Die Pfälzer unter euch und diejenigen, die ganz woanders zuhause sind, können den Bericht natürlich in der Mediathek des Saarländischen Rundfunks anschauen.  

Hier kommt schonmal die Ankündigung des Saarländischen Rundfunks auf „Wir im Saarland- Grenzenlos“

https://www.sr.de/sr/fernsehen/sendungen_a_-_z/uebersicht/wims_grenzenlos/index.html

Woche 5 und 6 Ende der Entkonfinementierung

Die letzte Woche war eine Art Warten auf das Ende der Grenzregelungen, Warten darauf, was nun geschehen würde. Alle Zeichen standen auf den Wiedereinzug unseres Alltags hier auf dem Blauberg. Veränderungen deuteten sich schon im Laufe der Woche an, als mein Mann einen Anruf seines Arbeitgebers erhielt. Er solle doch Montag wieder zur Arbeit kommen. Die Kurzarbeit für ihn sei nun vorbei. Monsieur le President redete am Sonntag und danach war klar, die Phase der Entkonfinementierung sollte tags darauf ein Ende finden. Wir waren hin- und hergerissen- wir sollten also aus unserem gefühlten Dornröschenschlaf langsam wieder erwachen und uns dem neuen alten Rhythmus unterwerfen- alles ein bisschen unwirklich.

Nur langsam konnten wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass es wieder los geht- Arbeitsstress und Hektik würden unseren von Fotografie und Homeschooling geprägten Alltag verdrängen. Wir beschlossen am Samstagabend das dritte Bild unserer LichtmalerSerie „Im Parc“ in unserem wunderschönen Parc municipale unterhalb des alten Krankenhauses zu malen. Wir wussten, dass es das Ende einer trotz allem auch schönen gemeinsamen Zeit war. Etwas wehmütig, aber doch geführt von dem Gedanken, ein wahrhaftiges Abschlussbild zu malen, sind wir mit unserer Ausrüstung losgezogen. In der dunkelsten Ecke des Parks wollten wir malen- wie immer ganz für uns allein. Doch da war ein junges Pärchen, dass die dunkle Ecke im Park für Schmusereien nutzte- wer kennt solche Situationen nicht. Wenn ich da an früher denke … hahahaha

Die beiden sahen unsere Kameras und fragten nach einem freundlichen „Bonsoir!“ in bestem Französisch, ob wir Fotografen seien. Ich zeigte den beiden Schätzchen unsere Fotos und schon waren sie sehr interessiert.  So kam es, dass wir unverhoffter Weise sehr offene Menschen vor der Kamera vor uns hatten, die für jeden Spaß zu haben waren. Während des Shootings erklärte mir die liebe Meryem, dass ihr Freund es bei ihr „im Salz“ liegen hatte und sie sich gerade versöhnt hatten. Frederic wusste wohl, wie er die junge Dame wieder um seinen Finger wickeln konnte: mit einer Schachtel Pralinen vom besten Chocolatier vor Ort. So macht man das 😉

Meryem drückte mir am Ende des Abends die Pralinen in die Hand und sagte, die würden jetzt uns zustehen, da wir mit unseren Bildern zur Versöhnung der Beiden beigetragen hätten. Sowas von süß. Was erlebt man also nicht alles nachts im Parc municipal von Sarreguemines. 

Montag ging dann der normale Wahnsinn wieder los- nicht ganz. Sascha arbeitet wieder in Deutschland, ich bin noch im Homeschooling. Am Montag hat Sascha gleich Sprudel in Glasflaschen aus Deutschland mitgebracht und sein Bartpflegezeugs gekauft. Mehr nicht. Letzten Mittwoch war ich wieder beim Verkauf der Bauerngenossenschaft „la ruche qui dit oui“ am Saargeminner Bahnhof- es sind wieder weniger Leute, die da anstehen, um ihre Sachen abzuholen. So schnell vergisst so Mancher. Ehrlich, ich war bis heute noch nicht wieder drüben in Deutschland. Ich möchte den „Zauber“ des Confinements, den es über unser ganz persönliches Leben gebracht hat, so schnell nicht verlieren. Das gemeinsame Lachen, das gemeinsame Weinen, das Hoffen und Bangen, die unverwechselbare französische Solidarität, die Gewissheit, dass Freunde in schlechten Zeiten zu einem Teil unserer Familie werden können.

Das traurige Gefühl auf der Hunderunde bleibt allerdings, wenn ich an den leeren Häusern der Covid-19 Opfer vorbei gehe. Es tut mir um alle sehr leid, nicht nur unser Quartier hat viele Menschen verloren. 

In aller Demut sind alle unsere Freunde hier auf dem Blauberg froh, dass wir es überstanden haben- bis jetzt. Und um unseren Zusammenhalt zu ehren, um den Tagen des Hoffen und Banges um unsere gute Louise zu gedenken und um daran zu erinnern, was im Leben wirklich zählt, werden wir am Wochenende ein kleines Fest der so großen französischen Solidarität feiern. Wir werden mit Abstand essen und trinken und uns ein bisschen auch selbst hochleben lassen, auf unserem Blauberg, in unserer kleinen Stadt Sarreguemines, in unserem Lothringen, im äußersten Osten Frankreichs.

Wenn ihr heute Abend auch zusammensitzt, dann trinkt einen auf uns und auf euch- genau wie ich auf euch trinke. Denn wir sind noch da, trotz Corona und Covid-19. À votre santé! Bleibt gesund!

Woche 4 der Dekonfinementierung

Nun sind wir seit Dienstag weitgehend bewegungsfrei- zumindest in Frankreich.Dass die jungen Leute nach der langen Zeit des Confinement die erlösende Freiheit vermissen, hat sich am Samstagabend schon angedeutet. Die erste Party unter freiem Himmel wurde gefeiert bis um 5:00 Uhr morgens. Ich lag im Bett und erinnerte mich an meine eigenen wilden Zeiten. Mann, ich werde alt.Wir haben am Pfingstwochenende Ausflüge in die nähere Umgebung unternommen, und uns langsam wieder daran gewöhnt, dass wir keine ausgangsbeschränkende Vogelflugzone mehr haben würden. Die 100 km Luftlinie, war bei uns sehr gut ein zu halten. Sie reichte bis nach Straßburg, sie führte uns -wie einige andere- ins Bitcherland und das angrenzende Elsass. Eine interessante Entdeckung haben wir in einem kleinen Kaff (entschuldigt bitte die Ausdrucksweise) namens Jägerthal gemacht. Oberhalb dieses MiniDorfs liegt die imposante Festung Windstein, eingangs Jägertals fanden wir die in Ruinen liegende Gründungsstätte der Firma DeDietrich. Durch diese Ruinen zu gehen, die symbolisch für die Eisenverhüttung stehen und die Geburtsstätte eines Weltkonzerns sind, war etwas ganz besonderes.

Nachdem wir den Heimweg über Reichshoffen und Bitch gemeistert hatten, musste ich natürlich zu Hause angekommen noch mal über diese Schmiede lesen. Es hat mich sehr überrascht, als ich im Internet eine Quelle fand, die die Schmiede dieser Weltfirma mit dem für mich größten deutschen Dichter überhaupt in Verbindung brachte. Goethe war dort und es wird vermutet, dass eine Szene des Faust auf genau diesen Besuch Goethes zurückgeht. Das war schon ein cooles Gefühl. Das Elsass hat überhaupt sehr viel zu bieten und man vergisst regelrecht, dass das Gute so nah liegt. Für unsere Lichtmalerei können wir uns fast keine schönere Umgebung denken. Der Alsace ist dünn besiedelt und von einem so dichten Wald bewachsen, dort mangelt es nicht an Dunkelheit in der Nacht.

Es herrschte eine seltsame Stimmung als wir so durch die Gegend fuhren, keine deutschen Autos auf der Straße, keine deutschen Urlauber am Hanauer Weiher und keine deutschen Touristen auf den Terrassen der Cafés. Sie waren alle noch geschlossen und vor dem ein oder anderen standen Leute, die insgeheim wohl gehofft hatten, dass sie geöffnete Restaurants vorfinden würden- der die vor der Tür geduldig warteten bis sie ihre bestellten Essen abholen konnten. Fast jedes Restaurant bietet einen Abholservice an- eine Entwicklung, die im Confinement ihren Anfang fand. Etwas verwirrend wird das alles als DRIVE bezeichnet, aber das ist egal und eine Kuriosität der „Einfranzösiserung“ von englischen Begriffen. Fakt ist, es half den Gastronomen zu überleben. Seit Dienstag hat die Gastronomie wieder geöffnet und die Franzosen, wie auch wir, freuen uns sehr darüber, dass es wieder einen Schritt voran geht.

Uns ist bewusst: So werden wir diese Gegend hier nie wieder erleben, so still, so schön. Deswegen haben wir die Woche intensiv genutzt. Nicht nur ins Elsass zog es uns, wir waren auch unterwegs ins Lothringer Seenland. Vorbei am Mittersheimer Weiher (leider noch wegen Renovierungsarbeiten an der Strandpromenade gesperrt) über Rhodes am Stockweiher bis hin zum Etang de Lindre, dem wunderbaren Naturschutzgebiet, das mit besonderen Attraktionen auf uns wartete. Störche in vollbelegten Nestern, es war so wunderbar. Schwalben, wohin das Auge reichte. Die Natur zeigte sich in ihrer ganzen Pracht. Sogar ein Kranich war zu sehen.

Der Saar- Kohle- Kanal- Radweg ist jedem von euch zu empfehlen- ganz flach, vorbei an Feldern und Dörfern ist er auch ohne E-Bike gut zu fahren und ist eines der Highlights der Region. Wir haben so viel fotografiert, uns Sonnenbrand eingefangen und das schöne Wetter in vollen Zügen genossen. Auf Zaungeschichten wird es ab Montag eine neue „Seite“ geben, die sich mit Ausflugstipps 100km rund um Sarreguemines befasst- da seht ihr dann auch unsere Fotos.Gute Neuigkeiten gibt es von Melody- ihre Tochter hat endlich einen Flug nach Frankreich bekommen und trifft am 15. Juni auf dem Blauberg ein. Monsieur Jean, der Klavierspieler von gegenüber hat Dienstagabend ganz inbrünstig die Ode an die Freude von Beethoven gespielt- wie wenn er die wiedererlangte Freiheit begrüßen wollte.

Nicht nur für die Menschen scheint das Confinement vorüber. Wir haben einen neuen Mitbewohner- einen kleinen Igel, der uns jeden Abend zur gleichen Zeit besucht und sich sein Rührei schmecken lässt. Da bei mir jedes Tier ganz schnell einen Namen hat- Spinne Victor, Ella die Maus usw, brauchte der Igel natürlich auch einen Namen: angelehnt an den britischen Skispringer, der uns in den 80ern unterhielt, heißt der Igel jetzt Eddie- natürlich „de Igel“.

Sarreguemines hat seit letztem Wochenende einen neuen Bürgermeister. Bewegend war der Abschied des alten, der so viel für die Stadt getan hat. Mehr durch Zufall als gewollt, bin ich auf die Liveübertragung der Ratssitzung bei Facebook gestoßen und war geschockt, das so viele Persönlichkeiten des öffentlichen saargeminner Lebens betrauert wurden, die Covid 19 nicht überlebt haben. Unsere gute Louise ist eine der ganz wenigen, die es geschafft haben. Sie wird helfen, die Stadt noch ein Stück schöner zu machen.

Ich hoffe ihr hattet auch eine schöne Woche und wünsche euch ein schönes Wochenende.

Woche 3 der Dekonfinementierung

So lange nun das Deconfinement dauert, so sehr haben wir uns daran gewöhnt. Wir schätzen es in vielen Momenten, die Augenblicke in denen wir es verwünschen sind weniger geworden. Einer dieser Augenblicke war der Geburtstag meines Vaters in Deutschland. Er ist nun schon etwas älter – um genau zu sein, hat er mit der Bundesrepublik Geburtstag am 23. Mai und wurde 71. Es war uns nicht möglich zu ihm zu fahren und diesen Tag mit ihm zu feiern. Etwas traurig haben wir ihm per Videophonie gratuliert. Im Gespräch haben dann alle eingesehen, dass es auch bei offener Grenze nicht in Ordnung gewesen wäre, wenn wir aus der roten Zone nach Deutschland gefahren wären. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich das Virus unwissender Weise nach Deutschland geschleppt und jemanden angesteckt hätte. Undenkbar, die Folgen. So warten wir weiter bis am 15. Juni wahrscheinlich die Grenzen wieder offen sein werden und nutzen dann die Gelegenheit zu einem Besuch in Kübelberg.
Hier bei uns auf dem Blauberg ist halbwegs Normalität eingezogen. Morgens um 6 rast einer der Nachbarn aus der anderen Straße mit seinem Motorrad durch unsere kleine Straße, hält kurz am Place des Fleurs, um dann wieder bis zur Ecole de Blauberg zu beschleunigen. Monsieur Jean, der Klavierspieler, hat Sascha schon darauf angesprochen, dass wieder ein gewisser Lärmpegel erreicht wird. Schade, in der noch weniger befahrenen Rue des Jacinthes wurden „Hubbel“ auf die Straße montiert, um den Verkehr zu bremsen. Hier in unserer Straße ist zwar weniger Verkehr, aber die wenigen Autos rasen ob der graden Straße oft mit hoher Geschwindigkeit vorbei. Und gerade das ist sehr gefährlich, weil der Schulweg hier verläuft und man die Kinder zwischen den parkenden Autos manchmal nur schwer ausmachen kann. Aber noch ist es bis auf den morgendlichen überlauten Raser relativ ruhig.
Das man auch große, erwachsene Männer übersehen kann, zeigte eine beunruhigende Nachricht von meiner Kusine aus Ottweiler. Ihr Mann wurde angefahren, während er in einem Feuerwehreinsatz war. Er ist noch mit einem blauen Auge davon gekommen, wurde am Sprunggelenk operiert und befindet sich auf dem Weg der Besserung. An dieser Stelle nochmal die besten Wünsche vom Blauberg.
Sascha hatte diese Woche eher Schönheitsprobleme und war in FriseurNot. Normalerweise geht er zum deutschen Barbier, aber was ist in diesen Zeiten schon normal? Einen triftigen Grund zum Grenzübertritt gibt eine schlechte Frisur nicht her, also blieb er in Saargemünd und ließ sich hier die Haare schneiden. Er wurde natürlich schnell als Deutscher ausgemacht und die nette Friseurin und die anderen im Salon fragten ihn direkt nach „den Deutschen da drüben“. Mal wieder schlug ihm völliges Unverständnis über die Grenzsituation entgegen und zum gefühlten hundertsten Mal musste er die Lage rechtfertigen. Natürlich war es ihm wichtig zu erklären, dass wir das auch nicht gut finden und wir als Deutsche hier mit den Franzosen im selben Boot sitzen. Einhellig war die Meinung, dass die deutschen Läden nach der Grenzöffnung sicher noch eine zeitlang von weniger Umsatz getroffen sein werden, weil sich viele Franzosen sehr zurückgestoßen und misachtet fühlen- die Hinwendung zu französischen Geschäften wird zumindest die erste Zeit nach der Grenzöffnung- wann sie auch immer komme- weitergehen. Zum Schluss waren alle zufrieden- Sascha am meisten, da er mit einer guten Frisur und einem super Bartschnitt den Salon verließ. Also, wenn ihr in Sarreguemines mal nen guten Barbier sucht, dann seid ihr bei MEN’S BARBER in der Rue Nationale sehr gut aufgehoben.

Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt- das ist momentan ganz unser Motto und trifft nicht nur in der Wahl des Friseurs zu.
Unsere Ruchequiditoui.fr hat diese Woche wieder ausgeliefert und wir waren wieder am Start. Höchstens 50 km sind die Biohöfe von Sarreguemines entfernt und wir staunen immer wieder darüber, was die Region Kulinarisches zu bieten hat. Diesesmal gab’s zu einem großen Biohähnchen, Würstchen und vielem mehr noch frische Erdbeeren und leckere Kirschen. Die Erdbeeren sind schon verputzt- das Hähnchen kommt heute auf den Grill. Wir sind richtig entschleunigt und genießen die Zeit soweit es geht.

Ab 2. Juni werden wir eine „grüne Region“ sein, das Dekonfinement geht in die nächste Phase und wir bekommen viele Freiheiten zurück. Aber darüber hört ihr nächste Woche in meinem Bericht aus dem Dekonfinement, aus Sarreguemines von unserem Blauberg.
Sascha und ich wünschen euch ein schönes Pfingstwochenende! Passt auf euch auf und bleibt gesund!

Woche 1 der Dekonfinementierung

Ich möchte mich zuerst bei euch bedanken- für eure Kommentare, für eure Privatnachrichten, für eure Anrufe und Emails, nachdem ich am Sonntag den Confinement-Blog vom Blauberg beendet hatte. Es freut mich so sehr, dass es so viele Mitleser gibt- ob auch Facebook oder auch auf www.zaungeschichten.com. Ich hoffe ich kann euch mit meinen Wochengeschichten ebenso begeistern. 

Unser Blauberg macht nur einen kleinen Teil von Sarreguemines aus, aber die Leute hier oben, die unten in der Stadt, die drüben in Neunkirch-les-Sarreguemines, die in Welferding, die in Folpersviller und alle anderen, die einen Ausflug hierher machen, hier verweilen- sie alle formen diese Stadt. Sie spüren die ganz besondere Atmosphäre, wenn sie am alten kaiserlichen Landgericht- jetzt Lycee Sainte Chretienne- vorbeischlendern, wenn sie in der Fußgängerzone einen Kaffee schlürfen oder einfach über die Terrassen hinweg deutsch- französischem Geplapper lauschen. 
Der 1 km Radius ist aufgelöst. An seine Stelle traten ganze 100km. Doch seltsamerweise nutzt sie kaum jemand. Wir hier oben sind erleichtert wieder herumfahren zu können- aber unseren Alltag hat das kaum verändert. Vieles ist gleich geblieben- die Parks zu und die Wälder gesperrt. Die Parks, weil wir immer noch eine ausgelastete IntensivbettenSituation haben, die Wälder wegen der Plage der Eichenprozessionsspinner- langes Wort, großer Ärger. Wir als Hundefamilie haben uns schon darauf gefreut Bragi und Klara im Wald zu promenieren, aber diese Spinner hängen schon überall- einfach zu gefährlich. 

Ungewohnt ist es immer noch, keine deutschen Autos zu sehen- die Einreisereglementierung von französischer Seite scheint echte Wirkung zu zeigen. Was wir auch nicht sehen, ist ein Paket von Verena- es hängt im Niemandsland der französischen Post fest- schon ganze 12 Tage braucht es von Saarbrücken nach Saargemünd (15 km). Wir sind sogar schon zur Grenze gefahren und haben danach gesucht- es hätte ja auch da irgendwie hängen geblieben sein können. Aber leider nein. Was wir gefunden haben, waren Absperrungen auf der Brücke zwischen Sarreguemines und Hanweiler. Welch’ ein trauriges Bild für die deutsch- französische Freundschaft, sehr befremdlich das so zu sehen. Noch vier Wochen….
Ein anderes Paket aus Deutschlands hohem Norden hat uns dagegen erreicht: Sinas Überraschung aus Leckereien des Nordens hat uns sehr gefreut- der Sanddornlikör ist dem Deconfinement bereits zum Opfer gefallen 😉 Sehr fein 🙂 Vielen Dank dafür! 

Melodys Auto ist schon wieder kaputt, also geht es nächste Woche wieder in die Werkstatt- sie voraus und ich hinterher- falls was passiert. Am Dienstag ist sie mit dem ersten Gang von Cora zu uns nachhause, das sind stolze 4km- mehr geschlichen als gefahren.
Im Haus gegenüber, bei Louise herrscht reges Treiben. Sie kommt Ende nächster Woche wieder nachhause. Weil ihr dieses verdammte Virus so schlimm zugesetzt hat, braucht sie jetzt eine behindertengerechte Wohnung- alles muss umgebaut werden. Wenn ich diese ganzen irren Covid- Leugner sehe, könnte ich schreien. 

Sascha weiß jetzt auch, wie die Abholung bei der Ruche, der Bauerngenossenschaft-, läuft. Er war am Mittwoch sozusagen mein Milchträger. Beim Kauf unseres Berlingos fand sich im Kofferraum ein Citroen Einkaufswägelchen- hatten wir noch nie gesehen und bisher auch nur selten benutzt. Wir haben uns damit bei der RucheAbholung köstlich amüsiert, weil einige der mit uns wartenden Männer ganz neidisch auf unser original Citroen-Zubehör starrten- ganz aus Plastik, aber für Sammler begehrt. Nix gibt’s, das ist jetzt mittwochs mein Ruche-Wägelchen. 

Wir dürfen uns nach der neuen Regelung wieder mit bis zu 10 Leuten auf der Straße treffen- die Gelbwesten haben das natürlich als erste mitbekommen und haben ihre Hütte am Kreisel Rother Spitz wieder bezogen- die lothringer Fahne flattert im Wind und es riecht nach Demo- ganz französisch. Meine lieben Franzosen kramen also gerade wieder ihre Widerspenstigkeit heraus und denken an Themen wie Rente, Zigarrettenpreise und natürlich an Macron. Auf die Idee Corona zu leugnen und gegen die Maßnahmen im „deutschen Stil“ zu demonstrieren, sind sie noch nicht gekommen. Wahrscheinlich sind die Aluhüte bisher an der Grenze abgewiesen worden, zum Glück! 

Saschas Arbeitseinsatz für seine Firma beschränkte sich auf ein kurzes Intermezzo letzte Woche. Jetzt steht er wieder in seinen eigenen Diensten und freut sich, dass er Zeit zum Lichtmalen und ab nächster Woche Urlaub hat. Mal sehen, wie das alles so weiter geht. Bei mir ist Business as usual- Unterricht im Homeoffice.

Bleibt gesund!

Tag 44 der Ausgangssperre

🇨🇵 🇩🇪 Bei schönem Wetter fällt es mir besonders schwer bei der täglichen Hunderunde den 1 km Radius um unser Zuhause einzuhalten, darum ist nicht nur die Natur froh um den Regen da draußen. In unserem 1 KilometerBewegungsradius liegt, zwischen der Rue des Myosotis und der Rue de la Montagne das alte Hospital von Sarreguemines. Es thront über der Stadt mit all den Türmchen und Verzierungen wie ein verwunschenes Schloss, das längst in einen DornröschenSchlaf gefallen ist. Eines der schönsten Gebäude von Saargemünd.
Als wir hierher zogen, war es gerade „außer Betrieb“ gesetzt worden. Überall standen Kartons mit medizinischem Gerät, riesige Umzugswagen wurden gepackt, um die medizinische Ausrüstung zum neuen Krankenhaus Robert Pax zu bringen. Nach fast 140 Jahren hatte das alte Gebäude seinen Dienst erfüllt. Zunächst wurde es still um den beeindruckenden Jugendstilbau. Doch dann fassten die Eigentümer den Entschluss, das alte Krankenhaus weiter zu nutzen- zuerst fand eine Schulkantine ihren Platz darin, dann ein Service der Stadtverwaltung, der Hubschrauberlandeplatz wurde in Baugrundstücke umfunktioniert bis dann die Entscheidung fiel Wohneinheiten zu schaffen. Ich frage mich immer, wenn ich mit dem Hund dort vorbeigehe, wie es sich darin leben lässt. Hinter diesen dicken Mauern hat sich viel Leben ereignet, sind aber auch viele dramatische Sachen passiert- 1918 grassierte hier in Saargemünd die letzte Pandemie- die spanische Grippe. Der deutsche Schriftsteller Alfred Döblin war zu der Zeit hier Militärarzt. Das Krankenhaus war damals im Zentrum des Geschehens. Ich weiß nicht, ob ich darin Leben könnte- wahrscheinlich würde ich jede Nacht wach liegen.
Vor ein paar Jahren wollten wir mal „anders“ Silvester feiern. Wir waren wie so viele andere Saargeminner in der Neujahrsnacht zur alten Schlossruine über der Stadt gefahren, weil man von dort einen schönen Ausblick über Saargemünd hat. Kamera und Sekt in der Tasche, hatten wir frühzeitig einen guten Platz ergattert- vorne an der Mauer- schön deutsch- schon um 23.30 Uhr. Doch während wir warteten, zog der Nebel im Saartal herauf und nix war mehr mit unserer schönen Aussicht auf die Stadt mit dem tollen Feuerwerk. Wir warteten und warteten, doch die Sicht wurde immer schlechter, der Nebel immer dichter. Um 23.55 Uhr saßen wir wieder im Auto und wollten schnell nachhause, um dort gemeinsam auf das neue Jahr anzustoßen. Ich fuhr wie ein Henker, um rechtzeitig zuhause zu sein, aber dann kamen die 0 Uhr Nachrichten im Radio. Ich stoppte, wir wünschten uns noch im Auto ein frohes neues Jahr- da klopfte es an unser Autofenster. Ich habe mich noch nie so erschrocken. Da standen Julie und Erik, die Beiden wollten nur schnell von einer Party in der Stadt nachhause- sie hatten ihre Feuerwerkskörper zu hause vergessen. Sie hatten sich dabei aber -genauso wie wir- in der Zeit verschätzt und waren nun wie wir am alten, verlassenen Hospital gestrandet. Wir stiegen aus, wünschten uns ein „Bonne Année!“, ließen den Wagen stehen und schlenderten gemeinsam nachhause. Unterwegs trafen wir fast alle unsere Nachbarn auf der Straße, wir stießen zusammen an, verteilten unzählige Bises, die besonderen französischen Umarmungsküsse, und hatten eine der schönsten SilvesterStraßenParties meines Lebens.

Das Auto wollte ich am Neujahrstag abholen. Da stand gerade die Police bei meinem kleinen Flitzer vor dem alten Hospital und ich sah, dass ich im Halteverbot geparkt hatte. Mist, ein PV von 25€. Ich sprach die Polizisten an, wünschte ein Bonne annee und erklärte die Situation. Sie lachten und einer von ihnen nahm den PV von meiner Windschutzscheibe. Er meinte, das wären dann ja besondere Umstände gewesen und daher zu entschuldigen. Er lächelt bis heute, wenn er mich aus dem PoliceAuto heraus sieht- wie gestern wieder, mit Klara und Bragi- am alten Hospital.


Also passt gut auf wo ihr parkt 🙂 Bleibt gesund!

Tag 43 der Ausgangssperre

Als unser Premierminister Philippe gestern in der französischen Nationalversammlung sprach, waren nur wenige Abgeordnete anwesend. Die, die da waren, saßen brav in vorgeschriebenen Abstand. Die Nationalversammlung so zu sehen hat schon etwas Befremdliches. Nachdem nun Österreich die völlige Aufhebung der Ausgangssperre und der anderen verhängten Maßnahmen verkündete, nachdem die Maßnahmen des Saarlandes durch den Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden, waren wir ganz gespannt, wie es nun bei uns hier im Grand Est und dem Rest von Frankreich weitergeht. 

Was Édouard Philippe verkündete klingt nach nicht viel Erleichterung, bedeutet aber doch die Wiedererlangung eines -wenn auch kleinen- Teils unserer Freiheit. Frankreich hat die Krise noch nicht überstanden und achtet penibel darauf, dass Covid 19 das Land nicht in Form einer zweiten Welle überrollt. Wir werden Erleichterungen haben, unser Bewegungsradius wird sich um das Hundertfache, auf 100 Kilometer, erweitern. Wir dürfen uns dann auch wieder ohne Ausgangsschein in diesem Radius bewegen. Wer zukünftig Geburtstag hat, Jubiläen feiert oder Familienfeiern und Treffen mit Freunden plant, darf zusammen mit zehn Leuten diese Festlichkeiten begehen. Sport darf auch wieder mehr betrieben werden, Parks und Naherholungsgebiete werden teilweise wieder eröffnet. Die Gastronomie bleibt weiter geschlossen. Großveranstaltungen sind natürlich genauso abgesagt wie Kinos geschlossen bleiben. Schulen öffnen teilweise, in besonders betroffenen Regionen bleiben sie weiterhin geschlossen.

Die Krise zeigt, wie verwundbar das französische Gesundheitssystem nach Jahren der Sparerei ist. Gerade deshalb finden wir die Handlungsweise, die die französische Regierung in Bezug auf Corona zeigt wirklich beeindruckend. Sie ist absolut notwendig. Abhängig bleiben die Lockerungen allerdings von der Infektionszahlen. Gibt es bis zum 11. Mai weniger als 3000 neue Infektion pro Tag, dann wird am 11. Mai gelockert. Ist das nicht der Fall, bleiben die bisherigen Regelungen in Kraft. Die Infektionszahlen schweben also wie ein Damoklesschwert über all den schönen Ankündigungen. Der 11. Mai, das sind jetzt noch zwölf Tage. Zwölf Tage, in denen noch viel passieren kann. Zwölf Tage die immer noch gefüllt sind mit dem Gedanken und der Hoffnung an ein normales Leben, das es so schnell nicht mehr geben wird. Trotz der Aussicht auf 100 km Bewegungsradius, blieb ich nach der Nachrichtensendung etwas ratlos zurück. Während ich mir eine Tasse Kaffee kochte, erreichte mich eine Nachricht von Julie. Sie fragte, ob ich wüsste, wann wir wieder nach Deutschland dürften. Und dann war da die Grenze wieder in meinem Kopf. Wir wissen nur, dass die Grenzen bis mindestens Montag geschlossen sind. Die Berichte über Widrigkeiten beim Grenzübertritt häufen sich in der Presse. Sie haben es in die überregionalen Zeitungen Frankreichs aber auch Deutschlands geschafft. Sie geben ein trauriges Bild ab- ein genauso trauriges Bild wie die weißen Absperrungen auf der Brücke zwischen Sarreguemines und Hanweiler. Julie gibt sich mit der Antwort: ‚Keine Ahnung! Wir hoffen auf nächste Woche!’ zufrieden. Dann schreibt sie eine zweite Nachricht. ‚Le poopee est arrivé!‘ Ich überlege kurz, frage, was sie denn meine. Sie beordert mich zum Zaun. Als ich rauskomme steht sie da und hält mir grinsend ein Paket hin. „Das ist das Klopapier, das ich vor lauter Angst vor drei Wochen online für uns alle bestellt habe! Jetzt ist es endlich da!‘ Da ist er wieder, der alltägliche Coronawahnsinn, den wir hier leben, mit der Verrücktheit, die wir alle so dringend brauchen. Wir lachen und das tut gerade sehr gut. 

Bleibt gesund, tragt eure Masken und habt einen schönen Tag!

Tag 41 der Ausgangssperre

Ihr kennt sie sicher, die ungewöhnlichen Begegnungen. Ein paar Häuser oberhalb von uns wohnt Monsieur Mueller. Er ist ein alter Mann- ich schätze ihn um die 80- und wohnt allein in einem kleinen Haus. Er schaute stets sehr mürrisch vor sich hin, grüßte kaum, sah mich im Vorbeigehen einfach nur an und ging weiter. Monsieur Mueller beobachtete mich aber auch immer aus seinem geöffneten Fenster, wenn ich mit dem Hund draußen war.

Er erinnert mich an meinen deutschen Großvater. Der war Bergmann und schaute immer ganz düster drein. Er hatte das Herz wohl am rechten Fleck, aber das hat man ihm nie angesehen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass er im Gesicht immer schwarze Linien hatte, von der langen Arbeit unter Tage. Und wenn ich Monsieur Mueller sehe, dann denke ich oft an Großvater Walter. Zu Hause habe ich Fotos sortiert – was soll man sonst machen im Confinement- und dabei ist mir ein Foto in die Hand gefallen, auf dem Walter einmal lacht- Ottweiler Sommer 1980- meine Cousine Sabine, Opa und ich.

Ich weiß nicht was mich geritten hat. Aber als ich irgendwann im vorigen Jahr mit dem Hund draußen war, da kam Monsieur Mueller gerade aus der Tür. Wir stießen fast zusammen. Er schaute auf Bragi und fragte mich, wie der Hund denn hieße. Ich war so verdattert, dass ich ihm nur antworten konnte: „Nein, er heißt Bragi!“. Dann fragte mich Monsieur Mueller unverhofft, ob Bragi beißen würde. Und ich weiß nicht, warum ich es gesagt habe, aber ich antwortete ihm: „Nur alte Männer, die böse drein schauen!“. Ich hielt die Luft an, aber das war der Wendepunkt in unserer Beziehung. Zum ersten Mal sah ich Monsieur Mueller Lachen. Er beugte sich zu Bragi herunter und streichelte ihn. Er wünschte mir einen schönen Tag, hob den Hut und ging die Straße runter. Ich stand da- total perplex und überrascht.

Meine Großmutter sagte immer: „Man täuscht sich in nichts mehr als in den Menschen!“. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich meine Meinung zu vielen Leuten schonmal ändern musste. Bei Monsieur Mueller war es auf jeden Fall eine positive Änderung. Ich weiß nicht, ob wir das sind, oder ob das eine typisch deutsche Verhaltensweise ist, zuerst mal kritisch jedem gegenüber zu sein. Frankreich hat uns da erzogen- dort wo wir kritisch waren, trafen wir oft offene freundliche Menschen. Genauso gab es aber auch umgekehrte Fälle- Menschen, denen wir gegenüber offen waren und die sich dann nicht als unsere Freunde entpuppten. Zu unserem Glück waren es nur wenige, bei denen sich die Wege wieder getrennt haben. Wenn man so im Confinement sitzt und darüber nachdenkt, dann freut man sich sehr über diejenigen, die es wirklich gut mit uns meinen, ehrlich zu uns sind und mit denen zusammen wir so gerne unsere Zeit verbringen. Es sind die einfachen Leute, die uns in unserem Quartier begegnen, die uns Freundlichkeit entgegenbringen und Freundschaft.

Durch das Fenster sehe ich Julies Auto, einen kleinen Peugeot deux-cent-six, vor ihrer Tür stehen. Vor ein paar Wochen war mein Auto kaputt. Ohne zu zögern drückte sie mir die Schlüssel ihres Autos in die Hand. Ich konnte es kaum fassen, sie vertraut mir ihr Auto an. Es war der erste Neuwagen ihres Lebens, sie brachte es nicht fertig ihn jemals zu verkaufen. Obwohl sie mittlerweile einen neuen Peugeot fährt, ist der 206 noch angemeldet bis die CT abläuft. Aber das spielt keine Rolle. Sie hat mir einen großen Freundschaftsdienst erwiesen, ohne von mir jemals danach gefragt worden zu sein. Das ist französisch, das ist unkompliziert, das ist Freundschaft. Wir denken an euch da draußen, an unsere Freunde- egal auf welcher Seite der Grenze. Bleibt gesund! Wir wünschen euch eine schöne Woche!

Tag 39 der Ausgangssperre

Wenn mir jemand vor 2008 erzählt hätte, dass ich irgendwann mal in Frankreich leben würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Meine Erfahrungen mit Frankreich sahen bis dahin so aus: Frankreichurlaub mit Zelt am Atlantik oder in der Provence, Französischunterricht in der Schule, vier Jahre lang die gleiche Lehrerin- sie war leider nicht die Richtige für mich. Das Aufregendste in den vier Jahren FranzösischUnterricht war der Schüleraustausch nach Diemeringen. Also quasi ins Departement 67- nur kurz über die Grenze- für mich damals tiefstes Frankreich. Das Mädchen zu dem ich kam- ich hab leider ihren Namen vergessen- wohnte mit seinen Eltern und der Oma auf einem Bauernhof mitten in einem Dorf nah bei Diemeringen. Es war schon fast Abend, als wir am ersten Tag dort ankamen. Der Fernseher lief und zu meiner Verwunderung – ich war 13 – lief auf dem Fernseher die Tagesschau. Nein, keine französische Nachrichtensendung, sondern die deutsche Tagesschau. Ich war völlig irritiert und dachte „Ist hier jemand deutsch?“ Den Dialekt, das Francique, verstand ich nicht so gut. Aber ich war mir sicher – es war unserem Saarpfälzisch ähnlich. Keiner sprach Französisch. Was ich immer noch in meinem Ohr höre ist der Sound von Jean Jaques Goldmann, den meine Austauschschülerin die ganze Zeit über hörte. Es war ganz andere Musik, als die der Toten Hosen, der Ärzte oder Lindenberg, die ich so sehr mochte- Ende der 80er. In der Austauschschule hingegen, dem College von Diemeringen, ging es nur französisch zu. Kein Dialekt. Die Lehrerin teilte uns ein Blätter aus. Ich hab kein Wort verstanden, geschweige denn konnte ich die Arbeitsblätter bearbeiten. Das war sehr frustrierend. Und es hat meine Einstellung zum Fach Französisch geprägt- es wurde zu meinem ungeliebtesten Fach meiner Schulzeit. Obwohl ich aus einem Dorf komme, dass nur einen gefühlten Katzensprung von der französischen Grenze entfernt war, beschränkten sich die Berührungspunkte mit Franzosen auf das Firmenfest von Michelin, der französischen Firma, bei der mein Vater lange gearbeitet hat. Im Alltag jedoch waren Franzosen Exoten, von denen mein Vater manchmal erzählte. Das war ganz weit weg und dann gestern wieder nah.

Nie hätte ich gedacht, dass mich diese Zeit im Jahr 2020 wieder einholt, während ich im Confinement in Frankreich bin. Gestern war es ruhig am Zaun. Erik schraubt an seinen Autos rum, die Nachbars Kinder fuhren Rad in ihrem Hof, Madame Destin lag schlafend in der Sonne , Madame Maurer suchte mal wieder den Schlüssel zu ihrem Grundstück und Julie sortiert the im Garten die Legos der Kinder. Als sie mich auf der Treppe sieht, kommt sie rüber um ein bisschen zu quasseln. Sie beschwert sich, dass die Kinder lieber PlaystationUnterhaltung suchten als Lego. Als wir dann bei den guten alten Zeiten ankamen, fiel mir plötzlich ein, dass ich auch ganz gerne mal spiele. Wie wenn sie meine Gedanken hätte lesen können, fing Julie an, von ihrem ersten Computer, einem Commodore C 64 zu reden. Ich selbst besaß zwar keinen C64, aber die Spielkonsole Atari 2600 mit zwei Joysticks. 🙂 Tennis, PacMan und wie sie alle hießen, das war klasse. Wir hatten also auf deutscher als auch auf französischer Seite in den achtziger Jahren eine sehr ähnliche Kindheit. Für mich eine erstaunliche lustige Erfahrung.

Gemeinsamkeiten werden wir auch nach Ende des Confinements haben. Wahrscheinlich haben alle Männer hier in Frankreich hinterher lange Haare, weil keiner zum Friseur kann. Sascha kämpft schon mit einer wilden Mähne und auch Erik, Raphael , Monsieur Jean und die Anderen in der Straße tragen weitaus üppigere Haarpracht als sonst. Jedes Mal wenn ich die sehe, denke ich, selbst wenn die Grenzen offen sind dürfen unsere Männer wahrscheinlich nicht rüber. Die Deutschen haben dann sicherlich Angst vor dieser wilden Horde Franzosen. 🙂

Also nehmt euch in Acht und bleibt gesund! Reste en bonne santé! 🇫🇷🇩🇪