Tag 44 der Ausgangssperre

🇨🇵 🇩🇪 Bei schönem Wetter fällt es mir besonders schwer bei der täglichen Hunderunde den 1 km Radius um unser Zuhause einzuhalten, darum ist nicht nur die Natur froh um den Regen da draußen. In unserem 1 KilometerBewegungsradius liegt, zwischen der Rue des Myosotis und der Rue de la Montagne das alte Hospital von Sarreguemines. Es thront über der Stadt mit all den Türmchen und Verzierungen wie ein verwunschenes Schloss, das längst in einen DornröschenSchlaf gefallen ist. Eines der schönsten Gebäude von Saargemünd.
Als wir hierher zogen, war es gerade „außer Betrieb“ gesetzt worden. Überall standen Kartons mit medizinischem Gerät, riesige Umzugswagen wurden gepackt, um die medizinische Ausrüstung zum neuen Krankenhaus Robert Pax zu bringen. Nach fast 140 Jahren hatte das alte Gebäude seinen Dienst erfüllt. Zunächst wurde es still um den beeindruckenden Jugendstilbau. Doch dann fassten die Eigentümer den Entschluss, das alte Krankenhaus weiter zu nutzen- zuerst fand eine Schulkantine ihren Platz darin, dann ein Service der Stadtverwaltung, der Hubschrauberlandeplatz wurde in Baugrundstücke umfunktioniert bis dann die Entscheidung fiel Wohneinheiten zu schaffen. Ich frage mich immer, wenn ich mit dem Hund dort vorbeigehe, wie es sich darin leben lässt. Hinter diesen dicken Mauern hat sich viel Leben ereignet, sind aber auch viele dramatische Sachen passiert- 1918 grassierte hier in Saargemünd die letzte Pandemie- die spanische Grippe. Der deutsche Schriftsteller Alfred Döblin war zu der Zeit hier Militärarzt. Das Krankenhaus war damals im Zentrum des Geschehens. Ich weiß nicht, ob ich darin Leben könnte- wahrscheinlich würde ich jede Nacht wach liegen.
Vor ein paar Jahren wollten wir mal „anders“ Silvester feiern. Wir waren wie so viele andere Saargeminner in der Neujahrsnacht zur alten Schlossruine über der Stadt gefahren, weil man von dort einen schönen Ausblick über Saargemünd hat. Kamera und Sekt in der Tasche, hatten wir frühzeitig einen guten Platz ergattert- vorne an der Mauer- schön deutsch- schon um 23.30 Uhr. Doch während wir warteten, zog der Nebel im Saartal herauf und nix war mehr mit unserer schönen Aussicht auf die Stadt mit dem tollen Feuerwerk. Wir warteten und warteten, doch die Sicht wurde immer schlechter, der Nebel immer dichter. Um 23.55 Uhr saßen wir wieder im Auto und wollten schnell nachhause, um dort gemeinsam auf das neue Jahr anzustoßen. Ich fuhr wie ein Henker, um rechtzeitig zuhause zu sein, aber dann kamen die 0 Uhr Nachrichten im Radio. Ich stoppte, wir wünschten uns noch im Auto ein frohes neues Jahr- da klopfte es an unser Autofenster. Ich habe mich noch nie so erschrocken. Da standen Julie und Erik, die Beiden wollten nur schnell von einer Party in der Stadt nachhause- sie hatten ihre Feuerwerkskörper zu hause vergessen. Sie hatten sich dabei aber -genauso wie wir- in der Zeit verschätzt und waren nun wie wir am alten, verlassenen Hospital gestrandet. Wir stiegen aus, wünschten uns ein „Bonne Année!“, ließen den Wagen stehen und schlenderten gemeinsam nachhause. Unterwegs trafen wir fast alle unsere Nachbarn auf der Straße, wir stießen zusammen an, verteilten unzählige Bises, die besonderen französischen Umarmungsküsse, und hatten eine der schönsten SilvesterStraßenParties meines Lebens.

Das Auto wollte ich am Neujahrstag abholen. Da stand gerade die Police bei meinem kleinen Flitzer vor dem alten Hospital und ich sah, dass ich im Halteverbot geparkt hatte. Mist, ein PV von 25€. Ich sprach die Polizisten an, wünschte ein Bonne annee und erklärte die Situation. Sie lachten und einer von ihnen nahm den PV von meiner Windschutzscheibe. Er meinte, das wären dann ja besondere Umstände gewesen und daher zu entschuldigen. Er lächelt bis heute, wenn er mich aus dem PoliceAuto heraus sieht- wie gestern wieder, mit Klara und Bragi- am alten Hospital.


Also passt gut auf wo ihr parkt 🙂 Bleibt gesund!

Tag 43 der Ausgangssperre

Als unser Premierminister Philippe gestern in der französischen Nationalversammlung sprach, waren nur wenige Abgeordnete anwesend. Die, die da waren, saßen brav in vorgeschriebenen Abstand. Die Nationalversammlung so zu sehen hat schon etwas Befremdliches. Nachdem nun Österreich die völlige Aufhebung der Ausgangssperre und der anderen verhängten Maßnahmen verkündete, nachdem die Maßnahmen des Saarlandes durch den Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden, waren wir ganz gespannt, wie es nun bei uns hier im Grand Est und dem Rest von Frankreich weitergeht. 

Was Édouard Philippe verkündete klingt nach nicht viel Erleichterung, bedeutet aber doch die Wiedererlangung eines -wenn auch kleinen- Teils unserer Freiheit. Frankreich hat die Krise noch nicht überstanden und achtet penibel darauf, dass Covid 19 das Land nicht in Form einer zweiten Welle überrollt. Wir werden Erleichterungen haben, unser Bewegungsradius wird sich um das Hundertfache, auf 100 Kilometer, erweitern. Wir dürfen uns dann auch wieder ohne Ausgangsschein in diesem Radius bewegen. Wer zukünftig Geburtstag hat, Jubiläen feiert oder Familienfeiern und Treffen mit Freunden plant, darf zusammen mit zehn Leuten diese Festlichkeiten begehen. Sport darf auch wieder mehr betrieben werden, Parks und Naherholungsgebiete werden teilweise wieder eröffnet. Die Gastronomie bleibt weiter geschlossen. Großveranstaltungen sind natürlich genauso abgesagt wie Kinos geschlossen bleiben. Schulen öffnen teilweise, in besonders betroffenen Regionen bleiben sie weiterhin geschlossen.

Die Krise zeigt, wie verwundbar das französische Gesundheitssystem nach Jahren der Sparerei ist. Gerade deshalb finden wir die Handlungsweise, die die französische Regierung in Bezug auf Corona zeigt wirklich beeindruckend. Sie ist absolut notwendig. Abhängig bleiben die Lockerungen allerdings von der Infektionszahlen. Gibt es bis zum 11. Mai weniger als 3000 neue Infektion pro Tag, dann wird am 11. Mai gelockert. Ist das nicht der Fall, bleiben die bisherigen Regelungen in Kraft. Die Infektionszahlen schweben also wie ein Damoklesschwert über all den schönen Ankündigungen. Der 11. Mai, das sind jetzt noch zwölf Tage. Zwölf Tage, in denen noch viel passieren kann. Zwölf Tage die immer noch gefüllt sind mit dem Gedanken und der Hoffnung an ein normales Leben, das es so schnell nicht mehr geben wird. Trotz der Aussicht auf 100 km Bewegungsradius, blieb ich nach der Nachrichtensendung etwas ratlos zurück. Während ich mir eine Tasse Kaffee kochte, erreichte mich eine Nachricht von Julie. Sie fragte, ob ich wüsste, wann wir wieder nach Deutschland dürften. Und dann war da die Grenze wieder in meinem Kopf. Wir wissen nur, dass die Grenzen bis mindestens Montag geschlossen sind. Die Berichte über Widrigkeiten beim Grenzübertritt häufen sich in der Presse. Sie haben es in die überregionalen Zeitungen Frankreichs aber auch Deutschlands geschafft. Sie geben ein trauriges Bild ab- ein genauso trauriges Bild wie die weißen Absperrungen auf der Brücke zwischen Sarreguemines und Hanweiler. Julie gibt sich mit der Antwort: ‚Keine Ahnung! Wir hoffen auf nächste Woche!’ zufrieden. Dann schreibt sie eine zweite Nachricht. ‚Le poopee est arrivé!‘ Ich überlege kurz, frage, was sie denn meine. Sie beordert mich zum Zaun. Als ich rauskomme steht sie da und hält mir grinsend ein Paket hin. „Das ist das Klopapier, das ich vor lauter Angst vor drei Wochen online für uns alle bestellt habe! Jetzt ist es endlich da!‘ Da ist er wieder, der alltägliche Coronawahnsinn, den wir hier leben, mit der Verrücktheit, die wir alle so dringend brauchen. Wir lachen und das tut gerade sehr gut. 

Bleibt gesund, tragt eure Masken und habt einen schönen Tag!

Tag 42 der Ausgangssperre

Und dann kommt diese Nachricht. Die Nachricht auf die wir jetzt schon einige Wochen warten. Eine Nachricht, über die wir uns sehr freuen. Unsere Nachbarin Louise ist auf dem Weg der Besserung. Zwischen all diesem CoronaWahnsinn, dem harten Confinement, der strengen Ausgangssperre -ein Lichtblick- und die Sicherheit, dass all diese Entbehrungen Sinn machen. Nach fast 4 Wochen künstlichen Koma am Beatmungsgerät , langsamem Aufwachen, kommt Luise nun endlich auf eine normale Station. Die lange Zeit mit COVID-19 wird sie ein Leben lang begleiten. Sie wird alles neu lernen müssen, sogar das Laufen. Stück für Stück wird sie zurückkommen ins Leben, zurückkommen in unsere Straße.

Als wir vorige Woche ein Auto der Stadtverwaltung in ihrer Einfahrt gesehen haben, fürchteten wir das Schlimmste. Wir wissen, dass nach dem Tod eines COVID-19 Patienten die Wohnungen desinfiziert und alle Sachen verbrannt werden. Wir bangten um Louise, ihr Bruder hatte wenig Hoffnung. Doch jetzt die Wende- es wird ein harter Weg zurück, aber sie ist zäh.

Als wir hierher gezogen sind, lebte Louises Mutter noch. Die alte Frau winkte mir oft aus dem Obergeschoss darüber, wenn ich an meinem Schreibtisch saß und arbeitete. Manchmal spät abends, wenn nur noch meine Schreibtischlampe bei uns brannte. Was ich erst spät erfahren habe, war die Tatsache, dass ich eine Leidenschaft mit dieser alten Frau teilte.. Sie liebte ihre Sprache, sie liebt ihr „Francique“. Sie war die erste, die ein Wörterbuch Französisch- Francique verfasste. Leider habe ich das zu spät erfahren- da war sie schon nicht mehr unter uns. Wir hätten uns sicher viel zu erzählen gehabt. Dieses Francique kann manchmal sehr lustig klingen, und in ihm werden auch manche Begriffe, die wir Deutsche kaum verwenden zu skurrilen Alltagsausdrücken geformt.

Er wohnt zwar nicht in unserer Straße, er wohnt auch nicht in unserem Quartier, aber trotzdem sehen wir ihn so oft an unserem Haus vorbeispazieren. Der skurrile CollieMann. Wir wissen nicht wie er heißt, wir kennen seinen silbernen Wagen, der behängt ist mit Wimpeln, beklebt mit CollieAufklebern.Es traf sich, dass wir gestern mit unseren Fellnasen vor der Haustür waren und der etwas verrückte CollieMann mitsamt Hunden vorbeischlenderte. Er blieb kurz stehen, erzählte zum hundertsten Mal, wo er den Rüden her hat . „Aus Deutschland!“, sagt er wieder ganz stolz. Er spricht oft sehr wirres Zeug. Ich verstehe nicht immer was er sagt, aber gestern musste ich mich schnell ins Haus flüchten, weil ich das Unheil nahen sah. Sascha hat den Ernst der Lage nicht ganz erfasst und blieb beim CollieMann stehen. Der nun, nahm die Schnauze seines Hundes in die Hand, zog den Armen nach oben über unseren Zaun und hielt so den ganzen Hund hoch. Der arme Collie wusste gar nicht wie ihm geschah und der CollieMann sagte zu Sascha: „Hot er ned kee scheenie Frotz? E scheenie eine Frotze hot er, odder?“ Sascha blieb wie angewurzelt stehen, die volle Wucht des Ausdrucks hatte ihn getroffen. Wahrscheinlich hoffte er, die Zeit müsse stehen bleiben, während er versuchte krampfhaft seine aus Lachen und Entsetzen zu unterdrücken. Aber der CollieMann sah ihn ganz ernst ihn an, ganz fragend nach dieser Fratze. Das Wort klang immer noch durch die Stille des Confinements. Sascha quetschte ein „Ja ja!“ heraus. Unser CollieMann war zufrieden und ging seiner Wege. Sascha war erlöst. Ich stand hinter dem Fenster und musste so lachen. Fratze habe ich in diesem Zusammenhang noch nie gehört. Und ich werde es in diesem Zusammenhang wohl auch nie wieder hören außer von Collie Mann. Louises Mutter hätte sich sicher für den Ausdruck interessiert. Er hätte sicher Einzug in ihr WörterBuch gehalten.

Also passt auf euch auf heute am mardi, dem da Nom menda un mache kenn schisse mit de Chose, die affichiert sin! Hallen eich dran.

Tag 41 der Ausgangssperre

Ihr kennt sie sicher, die ungewöhnlichen Begegnungen. Ein paar Häuser oberhalb von uns wohnt Monsieur Mueller. Er ist ein alter Mann- ich schätze ihn um die 80- und wohnt allein in einem kleinen Haus. Er schaute stets sehr mürrisch vor sich hin, grüßte kaum, sah mich im Vorbeigehen einfach nur an und ging weiter. Monsieur Mueller beobachtete mich aber auch immer aus seinem geöffneten Fenster, wenn ich mit dem Hund draußen war.

Er erinnert mich an meinen deutschen Großvater. Der war Bergmann und schaute immer ganz düster drein. Er hatte das Herz wohl am rechten Fleck, aber das hat man ihm nie angesehen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass er im Gesicht immer schwarze Linien hatte, von der langen Arbeit unter Tage. Und wenn ich Monsieur Mueller sehe, dann denke ich oft an Großvater Walter. Zu Hause habe ich Fotos sortiert – was soll man sonst machen im Confinement- und dabei ist mir ein Foto in die Hand gefallen, auf dem Walter einmal lacht- Ottweiler Sommer 1980- meine Cousine Sabine, Opa und ich.

Ich weiß nicht was mich geritten hat. Aber als ich irgendwann im vorigen Jahr mit dem Hund draußen war, da kam Monsieur Mueller gerade aus der Tür. Wir stießen fast zusammen. Er schaute auf Bragi und fragte mich, wie der Hund denn hieße. Ich war so verdattert, dass ich ihm nur antworten konnte: „Nein, er heißt Bragi!“. Dann fragte mich Monsieur Mueller unverhofft, ob Bragi beißen würde. Und ich weiß nicht, warum ich es gesagt habe, aber ich antwortete ihm: „Nur alte Männer, die böse drein schauen!“. Ich hielt die Luft an, aber das war der Wendepunkt in unserer Beziehung. Zum ersten Mal sah ich Monsieur Mueller Lachen. Er beugte sich zu Bragi herunter und streichelte ihn. Er wünschte mir einen schönen Tag, hob den Hut und ging die Straße runter. Ich stand da- total perplex und überrascht.

Meine Großmutter sagte immer: „Man täuscht sich in nichts mehr als in den Menschen!“. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich meine Meinung zu vielen Leuten schonmal ändern musste. Bei Monsieur Mueller war es auf jeden Fall eine positive Änderung. Ich weiß nicht, ob wir das sind, oder ob das eine typisch deutsche Verhaltensweise ist, zuerst mal kritisch jedem gegenüber zu sein. Frankreich hat uns da erzogen- dort wo wir kritisch waren, trafen wir oft offene freundliche Menschen. Genauso gab es aber auch umgekehrte Fälle- Menschen, denen wir gegenüber offen waren und die sich dann nicht als unsere Freunde entpuppten. Zu unserem Glück waren es nur wenige, bei denen sich die Wege wieder getrennt haben. Wenn man so im Confinement sitzt und darüber nachdenkt, dann freut man sich sehr über diejenigen, die es wirklich gut mit uns meinen, ehrlich zu uns sind und mit denen zusammen wir so gerne unsere Zeit verbringen. Es sind die einfachen Leute, die uns in unserem Quartier begegnen, die uns Freundlichkeit entgegenbringen und Freundschaft.

Durch das Fenster sehe ich Julies Auto, einen kleinen Peugeot deux-cent-six, vor ihrer Tür stehen. Vor ein paar Wochen war mein Auto kaputt. Ohne zu zögern drückte sie mir die Schlüssel ihres Autos in die Hand. Ich konnte es kaum fassen, sie vertraut mir ihr Auto an. Es war der erste Neuwagen ihres Lebens, sie brachte es nicht fertig ihn jemals zu verkaufen. Obwohl sie mittlerweile einen neuen Peugeot fährt, ist der 206 noch angemeldet bis die CT abläuft. Aber das spielt keine Rolle. Sie hat mir einen großen Freundschaftsdienst erwiesen, ohne von mir jemals danach gefragt worden zu sein. Das ist französisch, das ist unkompliziert, das ist Freundschaft. Wir denken an euch da draußen, an unsere Freunde- egal auf welcher Seite der Grenze. Bleibt gesund! Wir wünschen euch eine schöne Woche!

Tag 40 der Ausgangssperre

So viel Wert Franzosen auf Essen, Einrichtung, Klamotten und Geselligkeit legen, so ungewöhnlich ist ihr Verhältnis auch zum Auto. Beim Auto ist es so: jede Menge PS , klein und frech muss es sein und möglichst ein ganzes Leben lang halten. Ganz ehrlich, in der Beziehung passen wir wirklich gut hierher. Unsere Autos müssen uns von A nach B bringen, die Hunde befördern können und ansonsten einfach ruhig vor der Tür stehen. Wir haben das Glück, dass in unserer Straße das Prinzip der Gegenseitigkeit herrscht und deshalb unsere Autos immer wieder den Weg in die Garage unseres Nachbarn finden. Raphael ist ein wirklich guter Automechaniker und wenn er umgekehrt was zu basteln hat, dann hilft ihm Sascha.

Bei einem unserer Nachbarn bekommt der Begriff „Autoschieber“ wieder seine ursprüngliche Bedeutung. Er schiebt tatsächlich jeden Morgen und das seit etwa vier Monaten- sein Auto an. Nicht, dass jemand das Auto anschiebt und einer sitzt drin- nein, er ist von der flinken Sorte: Monsieur Martelle schiebt den leeren Peugeot 407 bei geöffneter Fahrertür durch unsere Straße bis zum kleinen Platz, an dem die abschüssigste Straße des Quartiers beginnt. Ist das Auto dann im Rollen springt er durch die geöffnete Fahrertür in das silberne Auto , lässt den zweiten Gang kommen und siehe da- das Auto springt an. Noch eine Runde um den Block und er fährt zu Arbeit. Wie oft hat ihm Raphael (er wohnt direkt neben ihm) schon Hilfe angeboten- er möchte keine. Manchmal ist jemand auf der Straße und sieht, dass er alleine das Auto schiebt. Klar hilft man dann. So wird die Anschieberei manchmal zur morgendlichen Gruppenveranstaltung, die Bragi und Klara von unserem Balkon aus verwundert beobachten.

Ich hatte mal mit 19 eine lustige Begegnung auf dem Autobahn Rastplatz in Waldmohr. Damals war eine Freundin mit mir unterwegs und wir haben einen VW Bulli, der eigentlich ein „Eismännchen“ war, angeschoben. Ich saß damals im Bulli- der der Eisverkäufer und meine Freundin schoben an, ich ließ jetzt den zweiten Gang kommen und dann sprang dieser Bulli auch wieder an. Die Belohnung war ein gigantisches Vanilleeis. Ich muss immer daran denken, wenn ich Monsieur Martelle und sein Auto sehe.

In unserer Straße ist jeder total Auto verrückt. Es gibt bis auf uns niemanden, der nicht mindestens drei Autos besitzt. Also KFZ-Steuer gibt es in Frankreich nicht und die Versicherung ist auch relativ günstig, außerdem braucht gefühlt jeder Franzose einen Lieferwagen. Wir haben uns da angepasst mit unserem alten Berlingo und unserem kleinen Ka. Der Berlingo stammt aus Deutschland, aber der Ka war schon immer ein kleines aggressives französisches Auto mit Vollausstattung von 2004. Sascha muss sich immer hineinfalten. Er wurde vorher von einer 83-jährigen Französin gefahren, die nach dem letzten Unfall beschlossen hatte, dass nun endlich Schluss sein müsste mit der Autofahrerei. Beim Verkauf war es ihr besonders wichtig zu sagen, dass der Ka sehr gut rennt.90 PS, von einer Französin eingefahren, der geht ab wie Schmidts Katz. Wirklich begehrt ist aber unser Berlingo. Zwei Straßen weiter wohnt ein Nachbar, der mir schon bestimmt fünf mal angeboten hat das Auto zu kaufen. Aber wir geben unseren Berlingo nicht her beziehungsweise nicht freiwillig. Vor ein paar Wochen begab es sich, dass zwei zwielichtige Gestalten den Berlingo stehlen wollten. Wir konnten das nach lauter Bellerei von Bragi verhindern. Als wir das unseren Nachbarn erzählten, kam heraus, dass die zwei Autodiebe zuvor bei Monsieur Martelle am Werk waren- aber das Anschieben war ihnen wohl zu viel.

Passt gut auf euch auf! Genießt den schönen Sonntag und bleibt gesund!

Tag 39 der Ausgangssperre

Wenn mir jemand vor 2008 erzählt hätte, dass ich irgendwann mal in Frankreich leben würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Meine Erfahrungen mit Frankreich sahen bis dahin so aus: Frankreichurlaub mit Zelt am Atlantik oder in der Provence, Französischunterricht in der Schule, vier Jahre lang die gleiche Lehrerin- sie war leider nicht die Richtige für mich. Das Aufregendste in den vier Jahren FranzösischUnterricht war der Schüleraustausch nach Diemeringen. Also quasi ins Departement 67- nur kurz über die Grenze- für mich damals tiefstes Frankreich. Das Mädchen zu dem ich kam- ich hab leider ihren Namen vergessen- wohnte mit seinen Eltern und der Oma auf einem Bauernhof mitten in einem Dorf nah bei Diemeringen. Es war schon fast Abend, als wir am ersten Tag dort ankamen. Der Fernseher lief und zu meiner Verwunderung – ich war 13 – lief auf dem Fernseher die Tagesschau. Nein, keine französische Nachrichtensendung, sondern die deutsche Tagesschau. Ich war völlig irritiert und dachte „Ist hier jemand deutsch?“ Den Dialekt, das Francique, verstand ich nicht so gut. Aber ich war mir sicher – es war unserem Saarpfälzisch ähnlich. Keiner sprach Französisch. Was ich immer noch in meinem Ohr höre ist der Sound von Jean Jaques Goldmann, den meine Austauschschülerin die ganze Zeit über hörte. Es war ganz andere Musik, als die der Toten Hosen, der Ärzte oder Lindenberg, die ich so sehr mochte- Ende der 80er. In der Austauschschule hingegen, dem College von Diemeringen, ging es nur französisch zu. Kein Dialekt. Die Lehrerin teilte uns ein Blätter aus. Ich hab kein Wort verstanden, geschweige denn konnte ich die Arbeitsblätter bearbeiten. Das war sehr frustrierend. Und es hat meine Einstellung zum Fach Französisch geprägt- es wurde zu meinem ungeliebtesten Fach meiner Schulzeit. Obwohl ich aus einem Dorf komme, dass nur einen gefühlten Katzensprung von der französischen Grenze entfernt war, beschränkten sich die Berührungspunkte mit Franzosen auf das Firmenfest von Michelin, der französischen Firma, bei der mein Vater lange gearbeitet hat. Im Alltag jedoch waren Franzosen Exoten, von denen mein Vater manchmal erzählte. Das war ganz weit weg und dann gestern wieder nah.

Nie hätte ich gedacht, dass mich diese Zeit im Jahr 2020 wieder einholt, während ich im Confinement in Frankreich bin. Gestern war es ruhig am Zaun. Erik schraubt an seinen Autos rum, die Nachbars Kinder fuhren Rad in ihrem Hof, Madame Destin lag schlafend in der Sonne , Madame Maurer suchte mal wieder den Schlüssel zu ihrem Grundstück und Julie sortiert the im Garten die Legos der Kinder. Als sie mich auf der Treppe sieht, kommt sie rüber um ein bisschen zu quasseln. Sie beschwert sich, dass die Kinder lieber PlaystationUnterhaltung suchten als Lego. Als wir dann bei den guten alten Zeiten ankamen, fiel mir plötzlich ein, dass ich auch ganz gerne mal spiele. Wie wenn sie meine Gedanken hätte lesen können, fing Julie an, von ihrem ersten Computer, einem Commodore C 64 zu reden. Ich selbst besaß zwar keinen C64, aber die Spielkonsole Atari 2600 mit zwei Joysticks. 🙂 Tennis, PacMan und wie sie alle hießen, das war klasse. Wir hatten also auf deutscher als auch auf französischer Seite in den achtziger Jahren eine sehr ähnliche Kindheit. Für mich eine erstaunliche lustige Erfahrung.

Gemeinsamkeiten werden wir auch nach Ende des Confinements haben. Wahrscheinlich haben alle Männer hier in Frankreich hinterher lange Haare, weil keiner zum Friseur kann. Sascha kämpft schon mit einer wilden Mähne und auch Erik, Raphael , Monsieur Jean und die Anderen in der Straße tragen weitaus üppigere Haarpracht als sonst. Jedes Mal wenn ich die sehe, denke ich, selbst wenn die Grenzen offen sind dürfen unsere Männer wahrscheinlich nicht rüber. Die Deutschen haben dann sicherlich Angst vor dieser wilden Horde Franzosen. 🙂

Also nehmt euch in Acht und bleibt gesund! Reste en bonne santé! 🇫🇷🇩🇪

Tag 38 der Ausgangssperre

🇫🇷🇩🇪Jammern ist keine Option- wir entdecken die Möglichkeiten des Confinements. Vor etwa einem Jahr habe ich zum ersten Mal in unserer Tageszeitung über eine ganz besondere Farm in unserer Nähe gelesen. Die Idee schien mir gewagt, aber trotzdem äußerst interessant. Wir hatten vor mal nach Petit- Rederching zu fahren, aber wie das so war vor dem Confinement- wir hatten ja nie Zeit. Jetzt habe ich zufällig wieder eine Anzeige der „Bison Ranch“ ( Ranch des bisons) gesehen und darin gelesen, dass man Bisonfleisch in aller Art der Verarbeitung dort bestellen kann. Amerikanisches Bison aus ökologischer Landwirtschaft- kurzum alles „Bio“. Ich bestellte ein Probierpaket- ganz einfach per Facebook Messenger. Unsere Nachbarin Julie war von dem Gedanken auch begeistert und so bestellte ich gleich auch für ihre Familie ein Paket mit . Gestern wurden die Pakete dann geliefert. Als Sascha gestern Morgen mit Bragi raus wollte, stand da ein sehr freundlicher junger Mann vor der Tür „Pour le bison, Monsieur“. Er lieferte uns eine Portion Burger, also Patties, Bison Rillette, Bison Terrine,Bison Pâté, eine Salami und eine Portion Bison Bourguignon im Glas. Das war wirklich klasse- die Lieferung der Service alles wunderbar. Bezahlt habe ich mit Karte, ich musste also nicht extra zum Geldautomaten- in Zeiten des Confinements bin ich über jeden Weg, den ich vermeiden kann, froh.. Wir haben uns natürlich direkt über das Bison Bourguignon hergemacht und dann noch die Terrine probiert . Ich kann euch sagen es schmeckt vorzüglich.

Zu unserer Freude kam dann noch ein zweites Paket an. Am Sonntag haben wir uns auf das Abenteuer eingelassen bei unserer Lieblingsbäckerei in Deutschland, der Bäckerei Ackermann ( Dorfbäckerei Ackermann)in Bliesmengen Bolchen Brot zu bestellen und natürlich einen Kuchen. Wir waren etwas besorgt, was die Lieferzeit anging, aber die angekündigte Standardlieferung per UPS ließ uns dann schließlich doch bestellen. Was uns natürlich eigentlich antrieb war der Gedanke an ein gutes Vollkornbrot. Es ist wie immer, man möchte immer das haben, was man gerade nicht haben kann. Die Ackermänner haben ihre Ware perfekt eingepackt- alles war wirklich frisch und der Kuchen war gleich angeschnitten. 
Sascha war natürlich morgens schon wieder in unserer QuartierBäckerei gewesen und hatte uns kleine KuchenTeilchen besorgt- das ist ganz heiße Ware aus unser StammBäckerei. In Confinement Zeiten sind die Teilchen wie das Highlight des Tages. Das Confinement maßregelt uns zwar erheblich, aber wir genießen die Spezialitäten unserer Region und freuen uns darauf, sie nach dem Confinement wieder mit euch zu teilen. Natürlich nicht die heiße Ware, aber Baguette dürft ihr gerne wieder hier kaufen und zum Bisonzüchter dürft ihr auch gerne fahren. Da kann man nämlich in tollen Hütten übernachten, grillen, essen und einfach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Das Einzige was mir immer noch fehlt sind die ZitronenKekse und die Welt außerhalb unserer 1 km KomfortZone. Also denkt an mich, wenn ihr Kekse esst. Aber die Rettung naht- wie ich gehört habe, sind erste Hilfslieferungen schon zu uns unterwegs! 

Bleibt gesund!

Tag 37 der Ausgangssperre

Ob Baguette maison, Baguette ancienne oder einfach nur ein Baguette bienfait  -um das Nationalheiligtum der Franzosen ranken sich auch in unserem Quartier lustige Geschichten. Natürlich gibt es neben dem Baguette, dem Rotwein und dem Eiffelturm noch andere nationale Symbole, aber das Baguette- seine Bedeutung kann nicht überschätzt werden.

Ihr könnt euch sicher denken, dass wir nicht die einzigen Deutschen hier im Quartier sind. Es ist so, dass wir etwa zehn deutsche Familien hier oben auf unserem blauen Berg haben. Eine davon ist die von Christian. Er kommt aus Hamburg und ist wie Sascha Grenzgänger. Er arbeitet bei ZF in Saarbrücken. Genau wie wir alle ist er vom Confinement betroffen.  Christian ist der französischen Sprache kaum mächtig, kann nur wenige Worte, hält es auch nicht für zwingend notwendig die Sprachkenntnisse auszubauen. „Immerhin reden hier sehr viele Leute mit uns deutsch“, sagt er immer, wenn ich ihn darauf anspreche. Seiner Meinung nach kommt man also auch ohne Französisch oder mit sehr wenig Französischkenntnissen durch’s Leben. Für uns sieht das anders aus. Französisch ist für uns die Grundlage dafür, hier zuhause zu sein. Klar ist das am Anfang nicht einfach, aber die Sprache des Gastlandes zu lernen ist für mich mehr als nur ein Gebot der Höflichkeit. 

Wenn Sascha morgens zur Bäckerei geht, dann trifft er Christian regelmäßig- so auch gestern. Ich weiß, dass Christians Frau gerne die Schneckennudeln aus dieser Bäckerei ist. Die junge Frau des Bäckers spricht kaum deutsch, also war Christian gezwungen eine Schneckennudel in französisch zu bestellen. (Ich hoffe ihr wisst alle was das ist, eine Hefeschnecke die mit Schokoladenpulver und manchmal auch mit Rosinen gefüllt ist). Voller Inbrunst und Selbstsicherheit gibt Christian die Bestellung auf. Was Christian aber nicht wusste, war die Tatsache, dass er keine Schnecke bestellt hat. Er steht an der Theke und bestellt Schnitzel. Die beiden Wörter ähneln sich: „Escargot“ für Schnecke und „Escalope“ für Schnitzel. Und Christian bestellt eben jeden Morgen ein Schnitzel für seine Frau. Die Bäckersfrau lächelt ihn immer freundlich an, sie korrigiert ihn nicht, sondern hält sich höflich zurück und gibt ihm die Schnecke.

Sascha erzählt mir das Ganze natürlich mit einem riesigen Grinsen auf dem Gesicht. Und dann fällt mir auf dass er mal wieder zwei Baguette gekauft hat. Ihr fragt euch jetzt warum kauft er immer zwei Baguette? Die Antwort liegt auch im Französischen begründet. Sascha kann sich seit Jahren einfach nicht merken, ob es „un“ oder „une“ Baguette heißt. So haben wir immer ein Baguette im Gefrierschrank – nur für den Fall, dass wir uns mal ein Schnitzel-Baguette machen wollen. 😉

Bleibt gesund! 

Tag 36 der Ausgangssperre

Vielleicht kennt ihr das auch. Wenn man nicht rauskann wie man will, dann entsteht ein unbändiges Bedürfnis nach draußen zu gehen. Wenn Irene in normalen Zeiten tagtäglich an unserem Haus vorbei joggt, bekomme ich manchmal ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich so unsportlich bin. Sogar im Confinement joggt sie-  im Umkreis von 1km für ca. eine Stunde täglich. Immer die gleiche Runde um den Block. Irene ist 42 Jahre alt. Sie wohnt nicht in unserer direkten Nachbarschaft, aber in unmittelbarer Nähe. Unterhalb unserer Straße beginnt das Biberviertel, das Quartier Castor. Da wurden in den fünfziger und sechziger Jahren kleine Reihenhaussiedlungen in den Hang gebaut. Kleiner Garten, und meistens auch eine kleine Garage, in die wahrscheinlich immer nur ein kleiner Peugeot 504 passen sollte. Vor ein paar Jahren, ich war gerade mit unseren alten Rüden Rocky unterwegs, stolperte ich vor so einem süßen kleinen Haus und schürfte mir das Knie auf. Irene sah das von drinnen, kam sofort zu mir heraus und sah sich das ganze Malheur an. Sie half mir wieder auf die Beine. Seitdem kennen wir uns. Sie arbeitet als Krankenschwester im saargemünder Krankenhaus. Während diesen Corona Zeiten zählt ihr Beruf also zu den systemrelevanten Berufen. Ich finde den Ausdruck sehr technisch, man könnte auch sagen, sie gehört zu denen, die den Kranken hilft zu gesunde, ihnen hilft weiter zu leben und die Hinterbliebenen in den Arm nimmt. Sie ist also für viele Menschen lebensnotwendig. Wenn ich sie so ansehe- immer mit einem Lächeln im Gesicht- erinnert sich mich an jemanden, dem ich vor ein paar Jahren- als wir noch in Deutschland wohnten-  begegnet bin:

Viele von uns kennen die Geschichte vom hässlichen Entlein das zum schönen Schwan wird. Oft verhält es sich ähnlich mit Schülern die mit schlechten Noten zu mir kommen, dann doch ihren eigenen Weg finden und Erfolg haben. Die Noten sagen eben nichts darüber aus, welche „Art Mensch“ man ist. Eine der überraschendsten Entwicklungen machte eine junge Dame durch, die vor circa 16 Jahren das erste Mal mit mir lernte. Sie hatte wirklich keine Lust auf Schule- Mathe war ihr ein Graus. Wir haben viel miteinander gelernt, sie fasste immer mehr Mut und schaffte letzthin auch ihren Realschulabschluss. Danach ergriff sie den Beruf ihrer Träume. Sie wurde Krankenschwester. Ich bin über Facebook immer noch mit ihr verknüpft und bewundere sie für ihren Durchhaltewillen, den sie nicht nur bei ihren sportlichen Aktivitäten, bei ihren Gewichthebe-Aktionen oder anderen CrossFit Meisterleistungen zeigt. Am meisten bewundere ich Anna für Ihr Engagement in ihrem Beruf. Sie ist mittlerweile IntensivKrankenschwester in meinem Geburtskrankenhaus und leistet gerade jetzt unglaubliche Arbeit. Vielen Dank Anna!

Bleibt gesund da draußen! Reste en bonne sante!

Tag 35 der Ausgangssperre

Das Confinement schlägt nicht nur uns Menschen zeitweise aufs Gemüt, es betrifft auch unsere Tiere. In unserer Straße wohnen neben unseren berühmt- berüchtigten Schäferhunden Bragi und Klara, der tollpatschige Labrador Ypsso, die Welsh Corgies Merlin, Chaka, Tobi und Mary, der Australien Shepherd Edi, der junge ungestüme Bobtail Anka und der König der Straße, ein weißer Königspudel namens Andi, wobei das A von Andi eigentlich wie ein O klingt. Sein Frauchen wird nicht müde seine astreine deutsche Herkunft zu betonen und empfiehlt mir immer wieder den besten Hundefriseur Deutschlands in Mainz- ganze 160 Kilometer, die sich ihrer Ansicht nach auch für unsere Schäferhunde lohnen würden.  Ganz entrüstet hat sie mir erzählt, dass es sie erbost, auf unserem Ausgangsschein keine Option für den Gang zum Hundefriseur zu finden. Andi hat seine Menschen also gut im Griff, sie sorgen in normalen Zeiten dafür, dass die Frisur sitzt und der riesige Pudel nicht ins hohe Auto springen muss. Monsieur Schmidt, sein Besitzer ist ein hagerer, großer Mann und er hebt seinen perfekt gestylten Hund immer ganz vorsichtig in das Führerhaus seines Lieferwagens. Dort sitzt er dann stolz zwischen Herrchen und Frauchen und blickt auf das hündische Fußvolk herunter, das selbst laufen muss. 

Aber nicht nur die Hunde regt das Confinement zu außergewöhnlichem Verhalten an. Die Nachbarshasen durften zwar von ihrer ersten Confinementbehausung im Gewächshaus von Julie  in ein Freigehege wechseln, ergriffen jedoch bei erster Gelegenheit ohne Ausgangserlaubnis die Möglichkeit zur Flucht. So kam es gestern zur wilden Haseneinfangaktion in den Gärten ringsum. Lapidou war schnell gefunden, aber die Tränen flossen bei Julies beiden Söhnen, weil Chocolat schier unauffindbar war. Wir Erwachsenen stellten schon Überlegungen an, dass ihn ein Mader oder ein anderes Wildtier verspeist haben könnte, als der befreiende Schrei von dem kleinen 4-jährigen Pascal kam, dass Chocolat ganz versteckt hinter dem Gewächshaus kauerte- eine Regenjacke später befanden sich die Ausreißer wieder im Freigehege in Sicherheit. Die Kinder waren froh und ich wegen eines Hasens noch nie so glücklich gewesen. Für die Zwei sind die Hasen – sie haben keine anderen Tiere- so wichtig geworden, die morgendliche Fütterung gehört für sie im Confinement zum Ritual. Etwas was sich gerade jetzt nicht ändern darf.

Lapidou und Chocolat

Passt auf euch auf und bleibt gesund! Bonne Journée à tous!